Letztes Jahr um diese Zeit startete die Katholische Kirche in Österreich eine Kampagne, um die Bevölkerung daran zu erinnern, warum wir Weihnachten feiern. Obiger Satz, dieser vermeintlich klare, historisch nicht belegte »Fakt«, sprang Lesern von Plakatwänden ins Auge. Um unser Gedächtnis aufzufrischen? Oder um aus der Glaubens- oder auch Wirtschaftskrise zu helfen? Im 21. Jahrhundert erklärt uns die Wissenschaft unsere Herkunft und Naturkatastrophen, wir haben neue Götter wie Barack Obama oder Tokio Hotel. Religion erscheint überflüssig, wie ein Relikt aus Zeiten der Unwissenheit, oder wird mit Terror, Gewalt und Diskriminierung verschiedener Gruppen verbunden. Das Fundamentale der meisten Religionen, die Nächstenliebe, ist in unserer Ellenbogengesellschaft eher zum Hindernis geworden. Zur Weihnachtszeit besinnen wir uns, hören »Oh du Fröhliche«, dekorieren die Wohnung mit Engelchen und kurbeln die Wirtschaft an. Nach Weihnachten fällt dann wieder das Schlagwort »Werteverfall« in den Medien. Geht dieses gefährliche, unleugbare Phänomen mit der Tatsache einher, dass Religion in unserer Kultur immer mehr in Vergessenheit gerät? Ähnliche Entwicklungen in religiöseren Gesellschaften sprechen dagegen … Und dennoch, Religion und vor allem Kirche mal beiseite, christliches Verhalten ist auch ohne Christentum möglich, Besinnlichkeit auch unabhängig von Weihnachten etwas Tiefsinniges. Also, lasst uns nicht nur froh und munter
sein, sondern auch mutig und gewillt, wieder einen Schritt aufeinander zuzugehen, und lasst uns zumindest versuchen, den Nächsten zu »mögen« –
auch nach dem 26. Dezember!
Macht’s gut, Eure Lisa