Zeig mir dein Profilfoto, und ich sage dir, wer du bist

Sie sind aktueller denn je: Onlineforen wie Facebook, StudiVZ, MyVZ oder,  für die Jüngsten unter uns, SchülerCC. Sie alle sind Internetseiten, bei denen angemeldete Benutzer steckbriefähnliche Profile von sich anlegen, Freunde  einladen, Interessensgruppen beitreten und Fotos hochladen können. Wer nicht schon mindestens 250 Freunde hat, gewinnt auch keinen mehr dazu. Der Begriff »Freund« erhält eine ganz neue Bedeutung und Experten  sprechen heute sogar von Online- vs. Offline-Freunden, um den Unterschied herzustellen zwischen echten Freunden und solchen, die man nur über Onlinemedien kennt.
Für diese Seiten spricht, dass es sehr einfach ist, mit Leuten, zum Beispiel Urlaubsbekanntschaften, in Kontakt zu bleiben. Gruppen wie »Wenn ich  Mogli wäre, würde ich bei Balu und Baghira bleiben!« bringen Jung und Alt zum Schmunzeln. Andere wie »Wer tanzt, hat bloß kein Geld zum Saufen!«  haben schon den einen oder anderen um seinen guten Ruf beim Arbeitgeber  (oder gar um den Job!) gebracht.

Ein geheimer Kult in diesen Medien ist die Wahl des Profilfotos. Von einfach nur gut getroffen über witzig mit 1960er Brille bis originell auf dem Kamel im Ägyptenurlaub sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Fragwürdig und gefährlich wird es, wenn sich 12-jährige Mädchen lasziv auf dem Sofa räkeln  und 40-jährige Freunde in ihrer Liste haben, die NICHT ihre Väter sind.

Empfehlenswert, um diese Medien ohne schalen Beigeschmack nutzen zu können, ist es also, seine Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen und nur echte (Offline-)Freunde als Freunde zuzulassen.

In diesem Sinne bei aller  Vorsicht viel Spaß und macht’s gut, Eure Lisa

»Zu Weihnachten wurde Jesus geboren«

Letztes Jahr um diese Zeit startete die Katholische Kirche in Österreich eine Kampagne, um die Bevölkerung daran zu erinnern, warum wir Weihnachten feiern. Obiger Satz, dieser vermeintlich klare, historisch nicht belegte »Fakt«, sprang Lesern von Plakatwänden ins Auge. Um unser Gedächtnis aufzufrischen? Oder um aus der Glaubens- oder auch Wirtschaftskrise zu helfen? Im 21. Jahrhundert erklärt uns die Wissenschaft unsere Herkunft und Naturkatastrophen, wir haben neue Götter wie Barack Obama oder Tokio Hotel. Religion erscheint überflüssig, wie ein Relikt aus Zeiten der  Unwissenheit, oder wird mit Terror, Gewalt und Diskriminierung verschiedener Gruppen verbunden. Das Fundamentale der meisten Religionen, die Nächstenliebe, ist in unserer Ellenbogengesellschaft eher zum Hindernis geworden. Zur Weihnachtszeit besinnen wir uns, hören »Oh du Fröhliche«, dekorieren die Wohnung mit Engelchen und kurbeln die Wirtschaft an. Nach Weihnachten fällt dann wieder das Schlagwort »Werteverfall« in den Medien. Geht dieses gefährliche, unleugbare Phänomen mit der Tatsache einher, dass Religion in unserer Kultur immer mehr in Vergessenheit gerät? Ähnliche Entwicklungen in religiöseren Gesellschaften sprechen dagegen … Und dennoch, Religion und vor allem Kirche mal beiseite, christliches Verhalten ist auch ohne Christentum möglich, Besinnlichkeit auch unabhängig von Weihnachten etwas Tiefsinniges. Also, lasst uns nicht nur froh und munter
sein, sondern auch mutig und gewillt, wieder einen Schritt aufeinander zuzugehen, und lasst uns zumindest versuchen, den Nächsten zu »mögen« –
auch nach dem 26. Dezember!

Macht’s gut, Eure Lisa

InnovationInnen?!

In Zeiten der allgegenwärtigen Anglizismen wird man immer häufiger mit neuen Bezeichnungen für alte Phänomene konfrontiert. Dazu gehört »Gender Mainstreaming«, der Versuch, die Gleichstellung von Frau und Mann auf allen Ebenen zu erreichen. Meine Generation vergisst oft, was für ein harter Kampf und weiter Weg es war, uns Frauen Studium, Scheidung und Selbstständigkeit zu ermöglichen, Errungenschaften, die uns heute selbstverständlich erscheinen. Was uns aber wohl auffällt, ist die Perversion der Gleichstellungsbestrebungen, die mit einer Vergewaltigung der Sprache einhergeht. Das Grauen hat einen Namen: Binnen-I. Aus »Studenten« wird »Studenten und Studentinnen«
wird »Student/innen« wird »StudentInnen « (= Binnen-I) wird immer öfter einfach »Studentinnen«. Und somit werden männliche Geschöpfe diskriminiert und wir sind kein bisschen besser als die Herren der Schöpfung. Optimal und geschlechtsneutral wäre übrigens »Studierende«, aber das lässt sich eben nicht auf jedes Wort anwenden. Sprache
funktioniert anders. Und es sei dahingestellt, ob ein derartiger Stilbruch Einstellungen über die Gleichstellung der Geschlechter ändert. Also, liebe ElterInnen und KinderInnen, es gilt an der Geisteshaltung zu arbeiten. Natürlich vermitteln wir unsere Denkweise (auch) sprachlich, das Binnen-I tut dies jedoch eher (ge)schlecht als recht. Und apropos recht:  Die  Rechtschreibreform kennt kein Binnen-I. In diesem Sinne, Sprache ist Macht, macht was draus und macht’s gut,
Eure Lisa

Ausflug in die trockenste Wüste der Erde und Heimkehr…

Hallo liebe Franken!

Da bin ich wieder!
Um ein Jahr gealtert und um einige tolle Erfahrungen und Erlebnisse reicher!

Jenny und ich sind am 14.09. abends in Santiago in den Bus gestiegen, um unsere 23-stündige Reise in die Atacama-Wüste im Norden Chiles anzutreten.

Die Fahrt war eigentlich halb so schlimm…War bestimmt nicht mein aufregendster Geburtstag eingeklemmt in einem Doppeldecker, in dem die Klospülung nicht funktioniert, aber das was folgte gehört sicher zu den aufregensten Dingen, die ich bisher erlebt habe…

Kamen also am 15.09., 24 Stunden später, in der kleinen aber feinen Wüstenstadt San Pedro de Atacama an. Nach der mehr als nötigen Dusche, haben wir uns auf die Suche nach einem Restaurant gemacht, um noch ein bisschen zu feiern. Im Hostel hatten wir zwei ganz nette Typen getroffen, Adrien, einen Franzosen, und Asaf, einen Israeli. Sie haben uns begleitet, da sie mich auf einen Geburtstagsdrink einladen wollten…

Das Essen war überragend und die Drinks auch…War ein richtig schöner Abend und um 1Uhr waren Jenny und ich im (Ehe)Bett.

Der Morgen danach war nicht so prickelnd…Hab mich richtig alt gefühlt und den einen oder anderen Geburtstagsdrink bereut.
Nach ner Cola und ein bichen Chillen gings dann aber.

Wir hatten am Abend vorher unsere Touren für die kommenden vier Tage gebucht, beim verpeiltesten Chilenen der Erde. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass er uns erklärt hat, er hätte eine Kontaktlinse verloren, wäre also auf einem Auge nicht so wirklich fit und hätte daher Probleme mit der Wahrnehmung, räumlichem Sehen etc…War trotzdem witzig, er hat einfach NIX gepeilt, alles verwechselt, sich verrechnet, sich an nix errinnert etc.

Am Nachmittag des ersten Tages sollte es also losgehen in das “Valle de la Muerte” (Tal des Todes) und danach ins “Valle de la Luna” (Tal des Mondes).

Da Jenny und ich ja jeden Mist ausprobieren müssen und kleine Extremsportler sind, haben wir zu dem Ausflug auch eine Sandboard Ausrüstung mit Guide dazugebucht.
Sandboard ist im Endeffekt dasselbe wie Snowboard, nur im Sand, von Dünen runter (und wieder hoch gehts OHNE Lift…).

Mein Skifahrtalent lässt zu wünschen übrig (war auch erst 2mal in meinem Leben) und Snowboarden hab ich schon gleich gar noch nie probiert.
Umso erstaunter war ich, dass ich mich gar nicht schlecht angestellt habe! Vielleicht kommt´s daher, dass ich Surferin bin… Smile
Bin die Düne zur weniger steilen Seite rauf und runter, und manches Mal hat es echt einwandfrei geklappt, ohne auf den Po zu fallen und so.

Zum Schluss sind wir dann die Düne zur steilen Seite runter. Hatte ja scho Schiss, war echt sausteil und bestimmt 30 Meter lang und ich hatte ja NULL Technik gelernt in den 2 Stunden. War aber total cool da runterzudüsen und cih habs bereut, nicht vorher ausprobiert zu haben. Unsere Zeit auf dem Sandboard war dem Ende zugegangen…

Ging sofort weiter, ins Valle de la Luna, um den Sonnenuntergang und das Farbenspektakel zu sehen.
Die Atacama Wüste ist die trockenste Wüste der Erde. Da dort, wo sie sich heute befindet, einmal der Pazifik war, ist sie unglaubich reich an Salz und macht es deswegen jedem Lebewesen schwer. Das Valle de la Muerte hat auch daher seinen Namen. Und im Valle de la Luna meint man tatsächlich, man befindet sich auf dem Mond. Hab noch nie eine Landschaft wie dort gesehen. Karg und gleichzeitig total interessant, durch die vielen Gebilde, die Wind und Sand mit der Zeit geformt haben, das “Amphietheater” zum Beipiel – sieht wirklich so aus!

Mit jedem Meter, die die Sonne weiter untergegangen ist, haben sich dir Farben im Tal geändert. Von gelb über orange, zu rosa über lila und dann alles zusammen, unglaublich! Das Salz, das zu großen Teilen im Wüstensand enthalten ist, reflektiert das Sonnenlicht dort auf ganz besondere Art und Weise.

Als die Sonne dann weg war, ist es schlagartig kalt geworden, wie man es sich vorstellt in der Wüste. Sind also zurück ins Auto und los in Richtung San Pedro de Atacama. Unsere erste Tour war schonmal super!
Die Guides haben uns dann für den Abend zu sich eingeladen, weil einer von den beiden bald nach Barcelona auswandert.

Später sind wir noch ne Pizza essen gegangen und dann ins Bettchen, viele Eindrücke machen müde!

Am nächsten Tag sind wir durch San Pedro gestreunt. Die Stadt gilt auch als DER Ort in Chile um Kunsthandwerke und Souveniers zu kaufen, und das haben wir dann auch gemacht!

Haben zufällig Richard, den anderen Guide getroffen, als wir auf der Nahrungssuche waren, und er hat uns prompt in ein Einheimischenlokal mit niedrigeren Preisen geführt – so gefällt mir das Smile !

Am Nachmittag gings dann mit Hector, unserem 60+-jährigen Guide und einer super netten Gruppe aus Amis, Chilenen, einem Franzosen und uns zu den Salzlagunen Cejar.
Jenny und ich saßen auf unserer Fahrt durch die Wüste vorne neben Hector und haben ihn Löcher in den Bauch gefragt – also z.B. wo San Pedro sein Wasser herbekommt (aus den Bergen), wie oft es regnet (nie), ob man in der Nähe Landwirtschaft betreiben kann (in den Oasen), wie eine Oase entsteht (durch unterirdisches Wasser, dort kommt es aus den Bergen) usw. usw.

Ja und dann sind wir angekommen. Mitten in der Wüste, der trockensten der Erde um es euch nochmal vor Augen zu führen, tut sich auf einmal eine türkis- bis azurblaue Lagune auf.
Unglaublich! Waren sogar mehrere!
Die Lagunen dort enthalten mehr als 7mal so viel Salz wie das Meer, mussten also trotz Eiseskälte hinein, um uns mal so richtig treiben so lassen!
Lang haben wirs nicht ausgehalten, war echt schweinekalt und hat ziemlich gebrannt, aber schon allein wegen den Fotos war es der Spaß wert!

Danach sind wir weiter zu zwei Süßwasserlagunen, die nebeneinander in ca. 3m Tiefe in der Wüste zu finden sind. Haben daher auch ihren Namen “Ojos” (Augen).
Geschwommen sind wir dort nimmer, ist schon wieder frich geworden weil sich die Sonne auf den Weg zur anderen Seite der Erde gemacht hat (oder besser die Erde sich…egal).

Haben zum krönenden Abschluss an einer dritten Lagune gehalten, um den Sonnenuntergang zu bewundern und Pisco Sour zu schlürfen. Pisco, ein Schnaps aus Traubenmost, ist hier neben Wein das Nationalgetränk. Ziemlich stark, aber mit Zitrone und Zucker oder diversen Säften gut zu genießen.

Das farbspektakel war ähnlich wie am Vorabend, nur kam noch dazu, dass die Berge auf der einem Seite des Sees ihren Schatten auf die Kordilleren auf der anderen Seite des Sees geworfen haben, hammer!

Auf dem dunklen Heimweg durch die Wüste hab ich nur aus dem Autofenster gestarrt, der Sternenhimmel war atemberaubend! Diese region der Erde gehört zu den besten, um Sterne zu beobachten, gibt kaum Lichtverschmutzung, die Atmosphere ist trocken, Südhalbkugel.
Und so hat sich das Halsverrenken gelohnt, denn neben den Sternen hab ich die weltgrößte Sternschnuppe gesehen! Sowas von unglaublich, dachte erst es wär ein Meteorit (ist´s ja quasi auch…), oder ein Feuerwerk, oder eine Rakete! Sowas von hell und mit ewig langem Schweif! War wie gelähmt vor Bewunderung!

Der Abend ist dann eher unspektakulär verlaufen, hatten für den nächsten Tag eine Tour zu den Geysiren Tatio gebucht und mussten dafür um 3:30Uhr aufstehen…
So war die Nacht früher als mir lieb war zu Ende und wir sind in den Bus gestiegen, um 2 Std. zur bolivianischen Grenze zu fahren.
San Pedro de Atacama liegt auf 2400m, die Geysire auf 4300m – haben also 2000 Höhenmeter innerhalb von 2Std. im Auto sitzend erlebt, gefährlich…

Bei den Geysiren angekommen, mussten wir schmerzhaft erfahren, dass alle recht gehalten hatten: es war wirklich schweinekalt, minus 15 Grad oder so!
Aber wenn die Sonne rauskommt sieht man die Geysire nicht mehr, da sie ja aus Wasserdampf gestehen, der aus der Erde schießt. Man sieht ja auch seinen Atem nicht im Sommer.

War ganz interessant, allerdings war nur ein einziger Geysir so wie ich es mir vorgestellt hatte: 30m hoch und mit einer riesen Wucht. Und dem durften wir uns nicht nähern, weil ein Deutscher mal reingefallen und gestorben ist.

Nach 30 Minuten haben wir uns am Bus zum frühstücken versammelt, und dann geschah es…
Jenny meinte, sie fühlte sich nicht so wohl, ich hab den Guide geholt und dann ging alles ganz schnell: er und noch ein Typ haben sie unter den Armen gepackt und dann ist meine Süße in Ohnmacht gefallen – Sauerstoffmangel!
War krank vor Sorge, für 3 Sekunden, dann ist sie nämlich wieder aufgewacht, mit Pupillen so groß wie Walnüsse.

Den Rest der Tour gings meiner Süßen net so gut und ich konnte nix für sie tun…Sad

Haben dann noch Halt bei einem Schlammbrunnen gemacht, den ich mir gleich á la Heilerde ins Gesicht geschmiert habe. Später sind wir auf 4600m (arme Jenny!) zu heißen Thermalquellen. Bin nicht rein, hab nur meine Füße reingehängt, war echt heiß!
Zum Abschluss sind wir in ein Wüstenkaff gefahren – ein 20 Seelen Dorf. Haben sehen können wie Menschen einst in der Wüste (über)lebten und es noch immer schaffen.
Auf der Fahrt haben wir ganz viele wilde Lamas, Alpacas und Lama-ähnliche Tiere gesehen, deren Name ich jetzt vergessen habe. Im Wüstenkaff Machuco hab ich dann Lamafleisch probiert, voll lecker, und fettfrei!

Haben auf der Rückfahrt dann noch die beiden anderen typischen Tiere gesehen: einen Hasen mit langem Schwanz und eine dicke runde Ente. Flamingos waren auch in der Ferne auszumachen.

Zurück in San Pedro haben wir uns ausgeruht, ich mit Bikini in Hof des Hostels in der Wüstensonne. Dank diesen 3 Std. komm ich jetzt doch nicht ganz blass zurück aus Südamerika!

Am Abend wollten wir eigentlich feiern gehen, da der 18.09. der Nationalfeier- und Unabhängigkeitstag Chiles ist und sowas wie ne Kärwa aufgebaut war.
Waren von den Eindrücken und Erlebnissen des Tages aber noch so kapputt, dass wir nur Sterne geschaut und Sternschnuppen gezählt haben…

Ja und am Samstag hatten wir eigentlich ne Reittour durch die Wüste gebucht – aufgrund der Feiern waren aber alle Pferde ausgebucht, für ein Rodeo oder so, und deswegen konnten wir die Tour nicht antreten.
Waren auch nicht so traurig drüber, reiten können wir auch woanders.
Sind dann stattdessen durch San Pedro gschlendert, in Cafés gegangen, haben gegessen etc.

Und um 19Uhr hieß es Abschied nehmen von San Pedro.
Jenny und ich haben definitiv die Anziehungskraft des Orts gespührt, den angeblich eine ganz bestimmte Energie und Magie umgibt – ähnlich wie auf Galapagos…
Aber wenn´s am schönsten ist, muss man weiterziehen, und das haben wir getan.
24 Stunden und einen tauben Popo später sind wir am Sonntag Abend in Santiago angekommen.
Haben den Abend über nur gechillt, den letzten Tag zum Packen gebraucht und schneller als es mir lieb war saß ich im Flieger nach Europa…

Ja, und nun nach ca. einer Woche zurück daheim, kann cih sagen, dass ich angekommen bin.
Nach so einer langen Zeit braucht man ein bißchen länger, um mit dem Alltag umgehen zu können, denn das einzige, was sich nach so einer Reise verändert hat, ist man selber…

In diesem Sinne, ich danke allen Lesern für ihr Interesse!
Bis zum nächsten Mal,

eure Lisa

Chile:

Valparaíso und auf den Spuren Nerudas

Hola a todos!

Wie geht´s euch?

Mir seeehr gut, bin so langsam in Chile angekommen…Es könnte zu Ecuador unterschiedlicher nicht sein, bedeutet aber nichts schlechtes!

War anfangs etwas überwältigt von der Größe Santiagos, dem europäischen Erscheinungsbild der Menschen und der Organisation und Ordnung.

Aber wie wahrscheinlich überall auf der Welt machen Jenny und ich uns eine tolle Zeit hier!

Sind am Freitag mit Chris, einem ihrer (wenigen) chilenischen Freunde nach Isla Negra gefahren, einem kleinen Küstenort in dem sich der berühmte chilenische Schriftsteller und Nobelpreisträger Pablo Neruda niedergelassen hat (unter anderem, er hatte natürlich mehrere Häuser…).

Sein Haus war der absolute Wahnsinn: direkt am Pazifischen Ozean, von jeden einzelnen Fenster konnte man die meterhohen Wellen im türkiblauen Meer sehen…Heute ist er übrigens genau dort, in seinem Garten am Meer an der Seite seiner Frau, begraben.
Neruda war ein “Cosista” (von “cosa” -Ding), also ein Sammler aller möglichn Dinge. So kann man in seinem Haus z.B. ein Zimmer bewundern, das 600 Muscheln beherbergt. Aber nicht irgendwelche Muscheln – es waren die schönsten die ich je gesehen habe…

Haben den Vormittag dort verbracht und überlegt, wie wir es schaffen können auch mal so ein Haus mit so einer Aussicht zu haben…

Sind danach nach Concon, einem weiteren Küstenort weiter nördlich, gefahren, um dort Empanadas mit Camarón und Queso, also Garnelen und Käse, zu Mittag zu essen. Empanadas sind so was wie die Brezen Bayerns, gibt´s an jeder Ecke als Snack. Empanadas sind gefüllte Teigtaschen und je nach Füllung variiert auch der Teig (Blätterteig, fritierter Teig, Pizzateig…), echt lecker!

Danach sind wir durch Vina del Mar gefahren, DEM Küstenort Chiles. Warum er so berühmt ist weiß ich nicht, besonderen Scharm hat er nämlich nicht. Vergleichbar mit Bibione…

Haben uns also nicht zu lange dort aufgehalten und sind dann endlich nach Valparaíso gekommen, dem Ort den ich schon seit Jahren kennenlernen möchte (Sting´s Song…).
Pablo Neruda, der Glückliche, hatte auch ein Haus in Valparaíso. Gespannt ob es genauso beeindruckend sei sind wir gleich rein.
Die Aussicht war auch toll, aufs Meer ud den Hafen, und die Einrichtung wahrscheinlich noch schöner als die des Hauses in Isla Negra, aber die Aussicht dort kann einfach nix toppen…

Abends sind Jenny und ich feiern gegangen. War wieder mal ein Kampf, weiß nicht wie vielen verzweifelten Typen mit Dackelblick wir einen Korb geben mussten – ich tanz einfach lieber allein, und nicht Bauch an Bauch mit irgendeinem 1,60m großen Fremden!

Außerdem hat uns der “Animateur” sowas von genervt! Da stand ein Typ neben dem DJ, dessen Job es war, jedes 5te Wort des jeweiligen Songs mitzugröhlen und auf der Bühne abzuspacken. In unserem Verständnis hat er einfach jedes Lied zerstört. Bin deswegen dann auch hin zu ihm und hab gefragt, warum er ständig reinlabert. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass er sehr freundlich war. Hat mir echt geduldig erklärt, dass es sein Job ist, die Massen “aufzuheizen” und hat uns danach mehrere Male per Microphon mit Namen gegrüßt…und weniger gelabert!!

Am Samstag morgen haben Jenny und ich erstmal ausgiebig in unserem stilvollen Bohemien-Style Hostel gefrühstückt. Der junge Besitzer hatte am Abend zuvor ganz schöne Augen gemacht als Jenny und ich ausdrücklich ein Zimmer mit Ehebett verlangt haben. Der Grund: wir hatten nur eine Wärmflasche…!

Danach sind wir durch Valparaíso gezogen. Aus dem süßen kleinen verschlafenen Fischerdörfchen ist eine 2 Millionen Hafenstadt geworden. Bei aller Größe hat sie ihren Scharm aber nicht verloren.
Valparaíso ist auf unzähligen Hügeln gebaut. Das bedeutet entweder ständig Treppen steigen, oder, für die Faulen, mit einem kleinen Holzwagon auf Schienen steil hinauffahren.
Von oben hat man dann immer einen tollen Blick auf die Stadt mit ihren bunten Häuschen, dem großen Hafen, dem Meer, den Hochhäusern, die immer öfter und schneller aus dem Boden schießen.

Am Samstag Abend, kurz bevor wir zurück nach Santiago wollten, haben wir noch das weltschönste Café (mit dem weltschönsten Kellner Smile ) gefunden. Haben zur Abwechslung Empanads gegessen und uns eine Flasche Wein geteilt, hui! Victor, der Besitzer, hat uns noch mit chilenischer Musik ausgestattet (gut, dass ich immer ne Memory-Card dabei hab!) die ich gerade höre, ein Obertraum!

Am Sonntag sind Jenny und ich dann auf den Hügel Santa Lucia, einem der Hügel in der Innenstadt Santiagos, von denen man ne gute Aussicht auf die Stadt und die schneebedeckten Anden hat.

Danach haben wir Mote con Huesillo probiert, ein Getränk aus Saft, Pfirsichen und gekochten Weizenkörnern, echt lecker.
In Jennys Lieblingscadé Mosqueto haben wir Café getrunken, mit Katha, einer Freundin aus Wien, die ich zufällig auf der Straße in der 6 Millionenstadt Santiago getroffen habe…treff einfach IMMER jemanden, egal wo!

Danach sind Jenny und ich in zwei Museen, Bellas Artes und Arte Contemporáneo, sind sonntags nämlich for free. Waren ganz interessante Dinge dabei…

Gegessen haben wir dann auf dem Mercado Central, dem Fischmarkt Santiagos. Habens uns echt gut gehen lassen: Jakobsmuscheln, Fisch mit Krabbensoße und Muscheln mit Knoblauch und Peperoni…hmmm!

Stinkend und glücklich sind wir durch die Innenstadt um bissi Mitbringsel zu shoppen.

Abends sind wir dann relativ spontan ins Kino, “The ugly truth”, echt witzig, kein Film den die Welt braucht, aber amüsant.

Ja und heute Nachmittga geht´s dann los nach San Pedro de Atacama, 23 Stunden im Bus, am Geburtstag..Freu mich trotzdem sehr, muss unglaubliche Naturspektakel geben dort!

Ich wünsch euch ne gute Woche und alles Liebe, bin schon bald zurück und fass es gar nicht wir schnell die Zeit vergangen ist…
Bis bald!

Eure Lisa

Cuenca, Montanita und Guayaquil und CHILE!

Hallo zusammen!

Hoff es geht euch gut!

Bei mir alles gut, hier ein kleines Update von meinen letzten Erlebnissen, bin vorher einfach nicht dazu gekommen…

Bin am Donnerstag vor einer Woche Nachmittag in Cuenca, der drittgroessten Stadt Ecuadors ziemlich weit unten im Sueden, angekommen.
Cuenca ist von den Spaniern im Kolonialstil erbaut und erinnert sehr an europaeische Staedte wie Madrid oder Venedig. Sehr schoen also und ganz ungewohnt fuer Ecuador, wo es doch oft eher Wellblechhuetten und halbfertige Wohnhaeuser gibt!

Am Freitag Fruhe um 8Uhr kam dann Helena an. Sie hatte den Nachtbus aus Quito genommen und war nch 11Stunden dann auch mal da. Die Arme!

Sind trotzdem bald losgezogen um Cuenca zu erkunden. Sind die im Schachbrett angeordneten Strassen einfach auf und ab gelaufen, haben die haeuschen bewundert, geshoppt, richtigen Cafè getrunken etc. War echt schoen!

Der Samstag war ein sehr interessanter Tag!
Sind um 9Uhr los mit dem Bus nach Ingapirca, den einzigen nennenswerten Inca-Ruinen in Ecuador.
Nach 2,5Std Busfahrt sind wir angekommen und haben uns mit einer kleinen Gruppe und einem Guide auf dem Weg durch die Geschichte gemacht.

Ingaprica ist eine ehemalige Staette und Ansiedlung von den wichtigsten Persoenlichkeiten der Incas und Cañaris der Region. Die Incas, die die Sonne verehrten, wollten die Cañari, die den Mond verehren eigentlich unterwerfen. Da sich diese aber zu stark gewehrt haben, entschlossen sich die Incas einen Pakt mit ihnen zu schliessen und eine Cañari-Prinzessin mit einem Inca-Koenig zu verheiraten.
Und so lebten die beiden Voelker in Frieden in Ingaprica (=Inca-Mauer) zusammen. Bis die Spanier kamen und die Cañari die Incas verraten haben und sich mit den Europaeern verbuendet haben. Das Ende der Inca.

Ingaprica zeigt noch heute eine beeindruckenden, wenn auch kleine Ansiedlung und Mauerlandschaft in Form eines Pumas. Der Puma war einer der drei Zweitgoettern der Inca (neben dem Hauptgott Sonne und den Zweitgoettern Condor und Schlange). In der Pfote des Pumas befindet sich der Mondtempel der Cañari – sie steht fuer Kraft.
Am Kopf des Pumas befindet sich der Sonnentempel der Inca – er steht fuer Intelligenz.

Neben den Resten der Tempel kann man in Ingapirca ausserdem die beispiellosen astronomischen Errungenschaften der prekolumbianischen Voelker bewundern. Unter anderem einen Stein mit 28 Loechern, die mit Wasser gefuellt wurden und nach und nach verdampften. so dass man sehen konnte, wann 28 Tage, ein Monat in ihrem Kalender, vergangen war.

Am Sonntag Morgen haben wir Cuenca in Richtung Montanita verlassen.
Montañita ist DER Party und Surfertown Ecuadors, hat auch den Ruf Aussteiger und Drogenparadies zu sein, hat aber trotz allem seinen Charm nicht verloren. Total suesses Doerfchen am Meer mit netten Holzhaeuschen, leckeren Meeresfruechten und huebschen Surfern Icon Smile in Cuenca, Montanita und Guayaquil und CHILE! !

Sind am Montag Morgen von Montanita aus nach Puerto Lopez, DEM Whale-Watching Ort in Ecuador – und nur eine Stunde weg von Montañita.

War rueckblickend einer der besten Tage meines Lebens!

Sind Frueh um 10Uhr auf dem kleinen Whale-Watching Boot los ins offene Meer auf der Suche nach Buckelwalen.

Nach einer knappen Stunde Fahrt hat das Boot die Geschwindigkeit reduziert und wir haben alle gespannt gewartet was passiert…

Und auf einmal meinte Andrés dann “DA!” und zeigte in eine Richtung.
Buckelwale!
Zwischen 15 und 20m lang, die Maennchen von Narben und “Pickeln” uebersaeht von Kaempfen mit Rivalen, die Weibchen glatt und geschmeidig.

Eine Gruppe von drei Walen schwamm ganz nah am Boot vorbei. Mit ganz nah mein ich 5m!

Und so gings dann weiter:
sind ein Stueck mit dem Boot gefahren, haben angehalten, Ausschau gehalten, und Wale gespotet.
Unglaublich, solche Riesen, hab immer wieder “Oh Gott” sagen muessen und hatte Traenen in den Augen.
einfach ueberwaeltigend!

Sie waren nicht besonders aktiv (manchmal springen sie wohl…), aber wir haben sie ganz klar und von Nahem, bis zu 2m neben dem Boot, gesehen – und das hat mir mehr als gereicht, war echt voellig ueberwaeltigt!

Haben ca. 2Std damit verbracht sie einfach nur zu bewundern, Fotos zu machen und den Augenblick zu geniessen…

Danach gings schweren Herzens zurueck in Richtung Festland…

Haben unterwegs noch kurz angehalten um zu schnorcheln. Wasser war nicht so kalt, das Wetter aber auch nicht so toll, sind natuerlich trotzdem rein!
Haben tolle bunte Fischchen gesehen, einen Seeloewen (kommt gaaanz selten vor sie da zu sehen!) und Blaufusstoelpel und Fragattas, die ich schon aus Galapagos kenn.

Um 16Uhr waren wir dann zurueck in Montañita, haben am Strand gechillt und geschlafen bevor wir am Abend unglaublich lecker essen gegamgen sind: Encocado de camarón – Garnelen in Kokossosse…ein Traum!

Um 2Uhr sind wir dann noch auf eine Reagge Party am Strand. War aber mehr ne Chiller-Versammlung ums Lagerfeuer. Helena und ich haben (fast) allein getanzt und hatten Spass! Um 3Uhr sind wir dann im Meer baden gegangen, sooo hammer! Voll warm das Wasser und einfach nur toll!

Um 4Uhr waren wir dann im Bett.

Hammer Tag!

Heute sind wir um 10Uhr zum Hostel-eigenen Fruehstueck gedackelt, im Schlafanzug. Is schliesslich das Chiller Paradies hier, da muss das schon mal drin sein.

Sind danach zum Strand um weitersu chillen und zu schlafen.

Ja um nicht voellig zu vergammeln, haben wir uns dann entschieden, einen Surfkurs (longboard, also so 2m Dinger, ohne Segel) zu machen. Montañita ist naemlich jedes Jahr Schauplatz fuer internationale Surf-Wettkaempfe und Meisterschaften.

Fuer 15$ hatte jede von uns fuer 2 Stunde einen persoenlichen Surflehrerer (Surfer, kein Kommentar…), die und total lieb und geduldig erklaert haben, wie man sich auf dem Board haelt.

War soooowas von ueberragend, hab echt meinen Sport gefunden!

Bin voll oft abgerutscht und nicht richtig aufs Board gekommen, aber wenn, dann wars einfach nur hammer!
Wollten am nächsten Tag gleich nochmal, aber Muskelkater und eine sich anbahnende Erkältung haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Sobald sich die nächste Gelegenheit ergibt werd ich aber wieder auf dem Board stehen, mir egal wo!

Von Ecuadors größter Stadt Guayaquil kann ich nicht ansatzweise so tolle berichten. Sind die Malecon, die Promende auf und ab gelaufen, haben uns aufgrund ihrer Architektur und Modernität wie in Miami gefühlt. Im ehemailgen Slum und heutigen Ausgehviertel haben wir die bunten Lego-Häuschen bestaunt und danach noch einen Park besucht, in dem trotz Großstadt-Tumult drum herum ganz viele Echsen leben.

Das war alles nennenwerte Guayaquils, hab mich dort nicht wohl gefühlt, viel zu groß, gefährlich, schmutzig, unauthentisch…

Hab Ecuador von dort aus also verlassen und bin nach einer Nacht am Flughafen von Lima gestern in Santiago de Chile anegekommen. Meine beste Freundin Jenny hat mich am Flughafen in die Arme geschlossen und mit ihr werde ich in den nächsten zei Wochen soviel von Chile erkunden wie es uns nur möglich ist

Meld dich sobald es was interessantes zu berichten gibt!

Bis dahin, machts gut,

eure Lisa

7. Woche:

Quilotoa und Cotopaxi

Hallo liebe Franken!

Fuehl mich gerade riiiesig, hab naemlich heute nen riiiesigen Vulkan, den hoechsten aktiven der Welt bis 5300m bestiegen! Meine Beine zittern noch immer, mein Koerper ist voellig ausgelaugt, aber ich spuere ein totales Glueckgefuehl…

So, aber eins nach dem anderen:

Bin gestern, am Tag 1 der Selbst(reise)erfahrung zum Kratersee von Quilotoa.

Quilotoa ist ein erloschener Vullkan, in dessen Krater sich ein beeindruckender Frischwassersee befindet. Bin also 2,5Std hingefahren, neben dem Busfahrer, dem ich wie immer gefallen hab und der mich am liebsten auf meiner Reise begleitet haette. Dort angekommen war ich vollkommen ueberwaeltigit vom Naturspektakel von Quilotoa. Der See ist einfach so gross, dass er nicht ganz ins Bild meiner Kamera passt und wunderschoen tuerkisblau. Da er sich ja in einem Vulkankrater befindet, ist er logischerweise von Klippen umgeben. Haette hinuterlaufen koennen, an den See selbst, gibt sogar ein kleines Hostel dort, wusste aber nicht wie lange das dauern wuerde und da es nicht so viele Busse zurueck gab, bin ich lieber um ihn herum gelaufen. Also auch nicht komplett, ist ja sooo gross!

Hab mich dann auch einfach auf nem Stueck Wiese niedergelassen und Musik vom IPod gehoert. Und weil ich so musikempfindlich bin, kamen mir ein paar Traenchen…Aber eher vor Glueck dass ich sowas erleben darf als vor Einsamkeit, Heimweh, Nostalgie o.ae. Wobei das schon auch dabei war…

Bin nach ca. 3Std spazieren, geniessen und weinen zurueck nach Latacuunga gefahren. Die Fahrt war auch spektakulaer, weil die Strassen einfach mitten in die Berge gebaut sind und es an keiner Stelle irgendwelche Sicherungen gibt. In jeder Kurve konnt ich den Abgrund sehen, und viele kleine weisse Kreuze am Strassenrand…

Auf dem Weg durch diese voellig verlassene und abgeschiedene Landschaft konnte ich immer wieder Hirten sehen. Maenner, Frauen, Kinder mit ihren Schafen und Lamas bzw. Alpacas. Weiss nie was der Unterschied is… Ihr Leben muss echt das einfachste vom einfachen sein, mit Wasser aus dem Fluss und so. Aber sie haben alle gelacht und dem Bus froehlich zugewunken wie er sich durch die Berge geschlaengelt hat.

Zurueck in Latacunga hab ich mich frisch gemacht, gechillt ung geglotzt (bin naemlich nach dem “Frauenknast” Erlebnis in einem 10$ Hostel hier mit eigenem Bad, warem Wasser UND eben Glotze).

Um 20Uhr hab ich mich dann mit Wiliam, dem Tourguide mit dem ich die Cotopxi Tour fuer den folgenden Tag gebucht hatte, nen Kaffee trinken gegangen, Ist ein total netter Vater von vier Kindern der schon in Paris, Barcelona und London gelebt hat. Nicht die schechtesten Staedte in Europa wuerd ich sagen!

Haben uns total nett unterhalten und drei Stunden spaeter bin ich dann ins Bett.

Heute Morgen gings dann los: Wiliam, Israel, ein Ecuadorianer, der bald nach Brasilie auswandert und deswegen noch schnell sein Land kennenlernen will, Esther und Hanna, zwei Deutschen, und ich sind um 8Uhr los in Richtung Cotopaxi.

Cotopaxi heisst auf Quichua soviel wie Hals des Mondes. Die Indigenas dachten naemlich, dass der Vulkan die Auslaeufe des Mondes auf der Erde sind. Wie vorhin erwaehnt ist er tatsaechlich der hoechste aktive Vulkan der Erde und von einem gigantisch grossen Nationlpark umgeben, um die Natur dort zu erhalten. Sind erst um eine Frischwasserlagune herumgelaufen (hab das Wasser natuerlich probiert, bin schliesslich mit allen Sinnen Reisende). Dann in ein Museum ueber den Cotopaxi und den Klimawandel und anschliessend zum Cotopaxi selbst. Hatten wie immer Schweineglueck. Im Laufe des Vormittags haben sich die Wolken naemlcih aufgeloest, so dass wir, als wir dann letzendlich beim Cotopaxi selbst ankamen, freie Sicht auf den Riesen hatten! Haben das Auto auf 4600m geparkt und haben uns aufgemacht zum Basiscamp. Haben es die ganze Zeit vor Augen gehabt, waren nur 200 Hoehenmeter, aber der Aufstieg schien unendlich.

War staendig hin und her gerissen zwischen Hass und Bewunderung fuer den Berg und seine Hoehe. Es ist einfach so sau anstrengend in so ner Hoehe in unbefestigtem Kies zu spazieren und staendig wieder fast abzurutschen! Und sooo kalt mann! Konnte jedes Lungenblaeschen spuehren! Und hab geschnauft wie ein Walross, Aber das ging allen so, selbst dem Guide. Beim Basiscamp angekommen, dachte ich ich geh keinen Meter weiter rauf. Es hiess naemlich wir koennten bis zur Schneegrenze wenn wir Luft haetten. WENN!

Haben und erstmal gestaerkt. Mit Brot, Frischkaese, Salat und heisser Schokolade. Danach war ich mir NOCH sicherer keinen Meter mehr zu gehen.

Wiliam, der Guide, empfand das aber ganz anders. Ohne Diskussion sind wir den Weg nach weiter oben angetreten. Und erstaunlicherweise ging es dann besser als zuvor! Der Weg war spannender, kein dummer Rutsch-Kies mehr, sondern eher Steine, Felsen etc., an denen man sich vorbeiarbeiten musste. Vor lauter “auf den Weg schaun” und Angst vor Lawinen hab ich die Hoehe gar nimmer so gefuehlt.

Und dann konnten wir sie schon sehen: die Grenze wo das Eis beginnt, die Auslaeufe des Gletschers. Hat natuerlich unglaublch motiviert und wir sind munter weiter und schliesslich auf 5300m an der Schneegrenze stehengeblieben um zu versuchen zu begreifen wo wir waren. Auf einem aktiven Vulkan, der von Schnee bedeckt ist.

Eine Sache war allerdings mehr als schockierend. Der Klimawandel ist naemlich alles andere als spurlos am Cotopaxi vorbeigegangen. Die Schneegrenze war vor 10Jahren noch beim Basiscamp (haetten uns damals also den zweiten Aufmarsch sparen koennen!). Heute ist die Grenze sichtbar zurueckgegangen, mehr als 200m eben. Und waehrend dem Aufmarsch mussten wir immer wieder ueber Behe vom schmilzendem Gletscherwasser steigen. Wiliam meinte dass das Eis jeden Monat um einige Meter zurueckgeht. Tragisch die Effekte des Klimawandels mit eigenen Augen und so klar zu sehen!

Trotz allem war es eine unglaubliche Erfahrung! Ich war auf sicherem Boden noch nie so weit oben und mir gings auch erstaunlich gut, man weiss ja nie wie man die Hoehe vertraegt. Meine Finger sind wegen dem Druck allerdings total angeschwollen (schon wieder weg, hab grad nachgeschaut). Sah schrecklich aus, volle Kanne Wurstfingeralarm, wo ich doch sonst so zarte Haendchen hab Icon Smile in Quilotoa und Cotopaxi .

Fast in Trance sind wir abgestiegen, was natuerlich viel leichter war. Hab mich so gross, so maechtig, so stark gefuehlt! Und tus noch immer. Versteh Bergsteiger nun ein bisschen besser muss ich sagen, Du kommst einfach an den Punkt, an dem du den ganzen Berg erklimmen willst! Ist doch gar nimmer weit…

Die Bilder werden fuer sich sprechen, wenn ich sie gleich hochgeladen bekomme. Sitz naemlich im Fotostudio von Israel, hab volle technische Ausruestung und das auch noch for free, Bekomm aber langsam Hunger und will ihn auch nicht laenger ausnutzen… Morgen Frueh gehts nach Cuenca, werd mich von dort aus melden bevor ich Helena treffe und weiterreise in Richtung Kueste und WALE!!! Gott, hab grad diese unglaubliche Freiheit in mir, die ich nur von Reisen kenne und will grad nicht, dass dieses Leben jemals wieder aufhoert… Ihr seht, es geht mir sehr gut! Ich hoffe euch auch!Bis ganz bald,

eure voellig euphorische und in den Hoehenrausch geratene Lisa

6. Woche:

Die Reise beginnt…

HALLO ihr Urlauber!

Alles fit?

Hab heute meine Reise ALLEIN durch Ecuador (zumindest bis Freitag Frueh…) begonnen und bis auf dass die Abgase der Strasse durch die offene Tuer des Internetcafes ziehen und mich fast TOETEN geht es mir sehr gut dabei!

Abe eins nach dem anderen…

Hab am vergangenen Freitag also mein Praktikum (erfolgreich) beendet. Erfolgreich, weil ich gestern das Zertifikat ueberreicht bekommen habe und es ist wiklich gut…

Bin am Abend mit Helena und spontan auch mit Lore und Santiago, meiner Gastfamilie feiern gegangen – meine richtigen Ferien haben schliesslich erst da begonnen! War ein total witziger Abend, haben getanzt wie die Wilden und sind geblieben bis sie das Licht in dem Club angemacht haben (is hier allerdings “schon” um 3Uhr…).

Helena und ich hatten uns noch so viel zu erzaehlen, dass wir es uns noch vor dem Club auf der Strasse bequem gemacht haben. Natuerlich waren wir nicht lang allein…Drei Typen, volle Gangster, aber harmlos, sind aufgetaucht und wollten uns anmachen. Da wir aber mal so gar keine Lust darauf hatten, haben wir auf bloed gemacht – sprich so getan als wuerden wir weder spanisch NOCH englisch sprechen…War einfach nur zum abbrechen wie sie versucht haben mit uns zu kommunizieren und unsere “Namen” “Hagebuttentee” und “Horst” auszusprechen ! Nach sage und schreibe 15Minuten haben wir das Ganze dann aufgeloest…Und sie waren nicht mal boese!

Am Samstag Morgen sind Helena und ich in unser wohlverdientes Wellness-Wochenende gestartet. Sind gegen Nachmittag in Papallacta angekommen, einem Miniort am Rande des Amazonasgebiets, der fuer seine Thermalquellen, die direkt aus dem Vulkan kommen, bekannt ist. Ausser dem Quellen und den mit Mosaik und Terracotta verzierten Baedern und Becken gibt das Kaff nicht viel her, sind also gleich los in die Mittelklasse Therme.

Ihr muesst es euch als eine Landschaft aus Becken mit Wasser verschiedener Temperaturen vorstellen, das Ganze unter freiem Himmel und mit wenig Menschen. Sind also von Becken zu Becken, mal kochendheiss, mal eiskalt (Wasser aus dem Fluss), haben gechillt und versucht zu begreifen, dass wir gerade in Vulkanwasser aus dem Erdkern baden. Ein Traum!

Sind bis 21Uhr geblieben, ab 19Uhr war es dunkel und nur noch mit angenehmen Lichtlein geleuchtet. Und weil wir beide Glueckskinder sind, haben sich die Wolken ueber den Bergen aufgeloest und wir hatten freie Sicht auf einen beeindruckenden Sternenhimmel, von Wasser aus…Ein Obertraum!

Haben uns danach so entspannt gefuehlt wie schon lange nicht mehr, wie frisch geboren. Den Abend haben wir dann mit einer riesen Portion frischer Forelle, der Spezialitaet Papallactas, ausklingen lassen – so laesst sichs leben!

Unser Hostel war allerdings weniger “Wellness”, eher Typ Frauenknast. Aber wir haben das beste draus gemacht Icon Smile in Die Reise beginnt...

Am Sonntag haben wir Wellness maessig ausgeschlafen und sind nach dem Fruehstueck noch kurz spazieren gegangen, bevor wir auf den nasechstbesten Bus nach Quito aufgesprungen sind.

Zuhause (ja, ich hab mich bei Lore zuhause gefuehlt…) angekommen, hab ich angefangen zu packen – gar net schoen! Hatte zwischendrin echt die Schnauze voll von Quito in den vergangenen 5 Wochen, und hab mich auch zu jeder Zeit auf meine Reise gefreut, aber der Gedanke Lore zu verlassen und nicht zu wissen wann und ob ich sie wiedesehe war auf einmal ganz nah und fast unertraeglich. Sie hat nochmal richtig lecker gekocht fuer uns und nach dem Essen haben wir zusammen einen Filmklassike aus Mexiko angeschaut, “Un dìa con el Diablo” – Ein Tag mit dem Teufel. Schwarz weiss und total witzig und suess! Und dann ist meine letzte Nacht in Quito angebrochen…

Hab mich heute Morgen ganz arg zusammenreissen muessen nicht in Traenen auszubrechen als ich mich von Lore verabschieden musste… Haben vorhin nochmal telefoniert, ich hab ihr ne Karte und nen Schal hinterlassen, der ihr total gefallen hat, und dann war sie es, die weinen musste…wird echt hart ohne sie…

Aber gut, das Leben geht weiter und ich bin nach einer letzten Shopping-Tour durch Quito nach Latacunga aufgebrochen.

Latancunga selbst ist nicht sooo aufregend, aber es ist ein Knotenpunkt fuer Touren sowohl zum Vulkan Cotopaxi als auch zum Kratersee Quilotoa, der Naturwunder-Titel verdaechtig ist!

Hab mich in ein kleines Hotel einquartiert (haben mich am Telefon als ich dem Preis wissen wollte gefragt ob ich Auslaenderin bin oder Ecuadorianerin – hoert man das denn nicht?! *Stolz*) und sind auch so super freundlich.

Bin vorhin gleich mal in so ne Reiseagentur um zu fragen, wie das mit den Touren so aussieht. William hat mich geduldig un kostenfrei aufgeklaert. Und nun steht mein Plan fuer die naechsten beiden Tage fest:

morgen mach ich mich allein auf dem Weg nach Quilotoa (gibt grad keine Touris und mit ihm, also Guide waeren es 80$, nee, sorry, bin Studentin).

Am Mittwoch mach ich dann aber ne Tour mit ihm und nem anderen Touri, der aber Ecuadorianer is, mit. Es geht zum Cotopaxi! Rauf bis zum Basecamp auf 4800m, hoff ja meine Pumpe macht das mit…

Ja, und nun ist das eingetreten, wovor ich mich am meisten gefuerchtet hab: ich hab Hunger. Allein Essen gehen ist halt echt doof.

Neben mir sitzen grad zwei Gringos und ich hatte mir schon ueberlegt, sie zu fragen ob sie schon was gegessen haben. Aber eben hat er sie gefragt, wie das Kaff nochmal heisst in dem wir uns befinden…Sorry, bei so viel Ignoranz speise ich lieber allein!

Also, ich diesem Sinne mach ich mich auf die Suche nach was Essbarem, allein… Icon Smile in Die Reise beginnt...

Ich wuensch euch was!

Bis bald,

eure Lisa

Quito adé…

Hallo meine lieben virtuellen Reisebegleiter!

Ich hoffe es geht euch gut!

Hab nicht allzu viel Spannendes zu berichten (unter der Woche ist ja immer Arbeitsalltag angesagt), aber da ich mich am Wochenende auf meine Reise mach und nicht weiss wie einfach es sein wird, was zu schreiben, tu ich es jetzt nochmal einfach und bequem vom Buero aus (in meiner Pause natuerlich…!).

Hab am Montag fuer meine Familie gekocht: Linseneintopf mit Wuerstel und Baggers mit Apfelmus. Hab echt ne halbe Ewigkeit uebelegt, was ich kochen koennte. Deutsche Zutaten sind hier einfach nicht zu bekommen (Sauerkraut, Klosteig, Bratwuerste, Schaeuferle etc.) und somit hab ich mich fuer diese beiden Rezepte entschieden. Ist auch sehr gut angekommen und auch wenn Linseneintopf nicht sehr appetitlich aussieht hat sich meine Gastfamilie getraut, probiert und genossen ! Und wie Ecuadorianer “Baggers” aussprechen ist einfach nur goettlich!!!

Am Dienstag war ich mit Freunden feiern…

Am Mittwoch in der Arbeit war ich dann nicht wirklich fit…

Hab mich deswegen danach aufs Ohr gehaut und drei Stunden gepennt, zu Abend gegessen und bin wieder los, mit der selben Gruppe. War echt witzig die “echten” Gringos (ich zaehl mich einfach nicht dazu!) in Aktion zu sehen. Voll besoffen und hemmungslos…
Als die Bar um 3Uhr zugemacht hat hiess es fuer sie Abschied nehmen, sind dann heim geflogen. War sehr traenenreich…Nicht auf meiner Seite! Ich fands eher amuesant – und das tun sie bestimmt auch wenn sie in 4 Tagen mal wieder nuechtern sind…

Heute ist mein letzter Tag im Buero und danach moecht ich mit Helena, einer ganz lieben Deutschen aus Kassel, zur Mitad del Mundo, dem Aequatormuseum.

Am Samstag gehts dann wahrscheinlich nach Papallacta, einem Thermalbadeort 60km von Quito, zum entspannen und Ferien einlaeuten.
Ab Montag bin ich dann auf mich allein gestellt. Helena muss eine Woche laenger arbeiten als ich…Werd mich wahrscheinlich zum Kratersee von Quilotoa aufmachen bevor ich Helena am Freitag im Sueden Ecuadors, in Cuenca treffe…

Ihr seht, ich hab mich voll dem Vibe hier angepasst, weiss heute nicht wo ich am Montag schlafen werde und ich liiiebe es !

Werd mich melden wenn es geht und wenn ich wieder was zu erzaehlen hab!

Bis dahin alles Gute fuer euch, macht´s gut

eure Lisa

Teufelsnase

Hola queridos, Hallo meine Lieben!

Ich bin zurueck von einem weiteren aufregenden Wochenende und hab viel zu erzaehlen!

Nach der kurzen Arbeitswoche (Feiertag und Urlaubstag wg. Dschungel-Trip), hab ich mich am Freitag Abend ein letztes Mal mit Julie im Ocho y Medio, einem Alternativ-Kino und Szene-Café in Quito, getroffen.
Sie war zurueck aus ihrem Liebesnest Baños und musste am Tag darauf die Heimreise antreten (hat ja nicht jeder 3 Monate frei so wie ich!).
War schoen sie nochmal zu sehen und wir werden uns sicher noch dieses Jahr in Fuerth, Wien oder Brest treffen.
Da sie noch packen musste, ist sie um 23Uhr gegangen und ich hab mich mit Loren, meiner Gastmama/Schwester/Freundin getroffen, da sie auch in der Gegend war.
Waren in einem total schnuckeligen Café mit Blick auf das Tal hinter Quito und haben Gluehwein getrunken.
Alle ihre Schwestern und deren Partner waren versammelt, waren also ne schoene grosse und mitteilungsbeduerftige Gruppe
An einem Punkt sollte ich einfach mal deutsch reden, so vor mich hin, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass ich echt Deutsche bin und so ne komische Sprache sprech.
Haben mir dann gleich nen Witz á la “Was heisst Leistenbruch auf Japanisch?” (=KnackinahbeiSacki, fuer alle Japanisch-Anfanger) erzaehlt.
Was heisst “Bus” auf Deutsch? “Sube-estruja-baja”, also so viel wie “einsteigen, zusammenpferchen, aussteigen”. Klingt halt deutsch in ihren Ohren weil es zwei “ch” (“j” drin hat und lang ist…Ok, des war jetzt kompliziert…

Am Samstag Morgen nach vier Stunden Schlaf war die Nacht fuer mich vorbei.
Hab mich mit Helena, einer Deutschen die ich auf dem Arkabuz Konzert (habt ihr schon reingehoert?!) kennengelernt habe, getroffen um nach Riobamba zu fahren.

Riobamba ist die Perle der Anden, die angeblich schoenste Stadt in der Sierra mit Blick auf den Chimborazo, den hoechsten Berg Ecuadors (6310m).
Neben Touren zu eben diesem schneebedeckten Riesen, ist Riobamba touristisch attraktiv wegen des Zugs zur Teufelsnase. Die “Nariz del Diablo”, also Teufelsnase, ist ein Berg, den 7000 Arbeiter, vor allem Sklaven aus China und Jamaika, vor ca. 100 Jahren mit Schienen bestuecken wollten, um die Sierra (Andenhochland) mit der Costa (Kueste) zu verbinden. Es gab damals ja noch keine Strassen und die Menschen der verschiedenen Regionen Ecuadors konnten sich nicht erreichen.
Beim Bau der Strecke sind tausende Maenner gestorben, an Krankheiten, bei Unfaellen, bei Sprengungen. Und so erhielt der Berg den Namen Teufelsnase – die Menschen glaubten er sei verflucht und Gott wollte einfach nicht, dass dort eine Zugstrecke entsteht.
Letztendlich haben sie den Bau jedoch vollendet, und bis heute schlaengelt sich ein kleiner Wagon ganz knapp an den Schluchten vorbei durch und ueber die Anden mit wundervoller Sicht auf die geographische Schoenheit Ecuadors.
Und das wollte ich mit natuerlich nicht entgehen lassen!

Helena und ich hatten uns viel zu erzaehlen, waren und auf Anhieb total sympathisch und in vielen Punkten echt aehnlich. War auch mal angenehm wieder deutsch sprechen zu koennen.

Sind mittags in Riobamba angekommen, haben uns in ein einfaches 5$ Hostel einquartiert und sind los durch Riobamba.

Und dann kam erst mal der Schock:
die Tickets fuer den Zug waren ausverkauft!!!
Voellig fertig haben wir die Bahnangestellte angebettelt uns eine Alternative zu bieten (der Zug faehrt nur 3mal pro Woche…). Sie meinte dann, wir koennten in Alausí (2Stunden von Riobamba) einsteigen und nach Sibambe fahren, die eigentliche Strecke zur Teufelsnase. Besser als nichts dachten wir uns, und statt 6 Studen auf dem Dach sitzen gabs halt so nur Tickets fuer 1,5 Stunden im Inneren des Zugs.

Haben den Nachmittag genutzt um uns Riobamba anzuschaun. Gibt dort neben den ueblichen (Chinesischen)Restaurants, Lebensmittel- und Klamottenlaeden und Internetcafés auch total viele schoene Bauwerke im Kolonialstil und ist umgeben von den Anden.
Helena und ich sind den ganzen Nachmittag auf und ab gelaufen, haben Fotos gemacht, eingekauft (Hut, Guertel, Schmuck, Schuhe – leicht im Kaufrausch), gegessen und den Chimborazo (6310m!!!) gesucht…vergeblich.

Am Abend haben wir uns mit Getraenken ausgeruestet in einen von den vielen netten kleinen Parks gesetzt und ueber Gott und die Welt gequatscht, bevor wir zum Essen fassen, Notdurft und zum Aufwaermen in eine Bar weitergezogen sind. War aber sowas von ausgestorben dort, dass wir um Mitternacht ins Hostel sind.

Am Sonntag Morgen sind wir los zum Parque 21 de Abril, weil man von dort an unbewoelkten Tagen eine tollte Sicht auf den Chimborazo hat. Und so war es dann auch, sind schliesslich Glueckskinder! Ist allerdings tragisch, wenn man Chimborazo-Bilder von Frueher mit dem vergleicht, was man heute sieht: der Klimawandel hat den Schnee einfach auf die Haelfte zurueckschmilzen lassen!

Nach dem Fruehstuck sind wir dann mit dem Bus nach Alausí. Auf der Fahrt sass ein total suesser Indigena-Junge mit seiner Mama neben mir. Seine Baeckchen waren richtig von der Sonne verbrannt, wie die der meisten Kinder hier. Ausserdem war er total schmutzig und seine Haendchen haben richtig geklebt. Aber er war froehlich und hat die ganze Fahrt lang an mir rumgezupft.

In Alausí angekommen haben wir uns sie reservierten Tickets abgeholt und sind durch Alausí gezogen weil wir noch etwas Zeit hatten. Ist ziemlich klein und nach 30 Minuten hatten wir alles gesehen

Zwei Stunden spaeter gings dann los:
wir sind in den beruehmten Zug zur Teufelsnase gestiegen.

Die Fahrt war unglaublich, beeindruckende Landschaft, steile Angruende 50cm neben uns und ausgekluegelte Technik:
der Zug muss naemlich, um den Berg ueberwinden zu koennen, in Serpentinen hinauf und hinunter. Und das bedeutet, dass er im Zick Zack faehrt, ein Stueck vorwaerts rauf, ein Stueck rueckwaerts runter und so weiter. Hat gewackelt wie wild und er war auch echt flott unterwegs fuer den Schwierigkeitsgrad der Strecke.
Haben auf dem Weg 2mal angehalten um die Landschaft su bewundern und den Schaffner Loecher in den Bauch zu fragen.

Einer seiner Anekdoten war zum Beispeil folgende:
vor ca. 15 Jahren hat El Niño einen Felsen weggewaschen und er ist auf die Gleise gestuertzt. Die Strecke zur Kueste war somit unterbrochen. Und bis heute hat man das Geroell nicht entfernt und der Zug kann nicht mehr bis nach Guayaquil an die Kueste fahren. Klar, heute gibt es Strassen und der Zug ist eher eiin Relikt aus fernen Zeiten als ein notwendiges Transportmittel, aber ihn 15 Jahre zu unterbrechen ist fuer die Bahnerer unverstaendlich und sehr enttaeuschend! Ausserdem sind die Schienen in katastrophalem Zustand und es ist nur eine Frage der Zeit bis der Zug nicht mehr fahren kann.

Die Praesidenten scheinen sich einfach nicht fuer solche Schaetze aus der Vergangenheit zu interessieren, sind zu beschaeftigt damit Einkaufszentren zu bauen…Ach ja, und die Schweinegrippe zu bekaempfen! Der Praesidentenpalast wurde naemlich letzte Woche evakuiert weil einer seiner Bodyguard mit Schweinegrippe diagnostiziert wurde.

Anderthalb Stunden spaeter war das Spektakel schon wieder vorbei. Hat sich aber total gelohnt, ich war tief beeindruckt von Aussicht, Landschaft und Geschichte!

Um 18Uhr haben wir Alausí in Richtung Riobamba verlassen. Dort angekommen, um 20Uhr, sind wir zum Gleis der Busse nach Quito geflitzt – hatte so ne Vorahnung dass um diese Zeit nicht mehr allzu viele Busse fahren wuerden. Und tatsaechlich, sind auf den letzten Bus aufgesprungen, natuerlich ohne Sitzplatz. Und drei Stunden Fahrt vor uns…Haben uns ganz hinten auf den Boden gesetzt und versucht, das Ganze ohne blaue Flecken zu ueberstehen. war gar nicht soo schlimm, aber bequem ist was anderes!
Noch dazu sass ne Indigena neben, oder besser ueber uns, die unglaublich viel zu erzaehlen hatte. Sie hat ungelogen 3 Stunden ohne Luft zu holen durchgequatscht, auf Quichua, hab also noch dazu kein Wort verstanden. Klingt total interessant! Ganz viel “tsch”, kein “o” und kein “e”.

Um Mitternacht war ich dann im Bettchen und hab so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr! Hat doch alles immer was Gutes!

So, und nun muss ich zurueck an die Arbeit, meine letzte Woche ist angebrochen und ich hab doch das eine oder andere zu tun…

Wuensch euch was, bis bald!
Macht*s gut,

eure Lisa