Hallo liebe Franken!
Da bin ich wieder!
Um ein Jahr gealtert und um einige tolle Erfahrungen und Erlebnisse reicher!
Jenny und ich sind am 14.09. abends in Santiago in den Bus gestiegen, um unsere 23-stündige Reise in die Atacama-Wüste im Norden Chiles anzutreten.
Die Fahrt war eigentlich halb so schlimm…War bestimmt nicht mein aufregendster Geburtstag eingeklemmt in einem Doppeldecker, in dem die Klospülung nicht funktioniert, aber das was folgte gehört sicher zu den aufregensten Dingen, die ich bisher erlebt habe…
Kamen also am 15.09., 24 Stunden später, in der kleinen aber feinen Wüstenstadt San Pedro de Atacama an. Nach der mehr als nötigen Dusche, haben wir uns auf die Suche nach einem Restaurant gemacht, um noch ein bisschen zu feiern. Im Hostel hatten wir zwei ganz nette Typen getroffen, Adrien, einen Franzosen, und Asaf, einen Israeli. Sie haben uns begleitet, da sie mich auf einen Geburtstagsdrink einladen wollten…
Das Essen war überragend und die Drinks auch…War ein richtig schöner Abend und um 1Uhr waren Jenny und ich im (Ehe)Bett.
Der Morgen danach war nicht so prickelnd…Hab mich richtig alt gefühlt und den einen oder anderen Geburtstagsdrink bereut.
Nach ner Cola und ein bichen Chillen gings dann aber.
Wir hatten am Abend vorher unsere Touren für die kommenden vier Tage gebucht, beim verpeiltesten Chilenen der Erde. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass er uns erklärt hat, er hätte eine Kontaktlinse verloren, wäre also auf einem Auge nicht so wirklich fit und hätte daher Probleme mit der Wahrnehmung, räumlichem Sehen etc…War trotzdem witzig, er hat einfach NIX gepeilt, alles verwechselt, sich verrechnet, sich an nix errinnert etc.
Am Nachmittag des ersten Tages sollte es also losgehen in das “Valle de la Muerte” (Tal des Todes) und danach ins “Valle de la Luna” (Tal des Mondes).
Da Jenny und ich ja jeden Mist ausprobieren müssen und kleine Extremsportler sind, haben wir zu dem Ausflug auch eine Sandboard Ausrüstung mit Guide dazugebucht.
Sandboard ist im Endeffekt dasselbe wie Snowboard, nur im Sand, von Dünen runter (und wieder hoch gehts OHNE Lift…).
Mein Skifahrtalent lässt zu wünschen übrig (war auch erst 2mal in meinem Leben) und Snowboarden hab ich schon gleich gar noch nie probiert.
Umso erstaunter war ich, dass ich mich gar nicht schlecht angestellt habe! Vielleicht kommt´s daher, dass ich Surferin bin… Smile
Bin die Düne zur weniger steilen Seite rauf und runter, und manches Mal hat es echt einwandfrei geklappt, ohne auf den Po zu fallen und so.
Zum Schluss sind wir dann die Düne zur steilen Seite runter. Hatte ja scho Schiss, war echt sausteil und bestimmt 30 Meter lang und ich hatte ja NULL Technik gelernt in den 2 Stunden. War aber total cool da runterzudüsen und cih habs bereut, nicht vorher ausprobiert zu haben. Unsere Zeit auf dem Sandboard war dem Ende zugegangen…
Ging sofort weiter, ins Valle de la Luna, um den Sonnenuntergang und das Farbenspektakel zu sehen.
Die Atacama Wüste ist die trockenste Wüste der Erde. Da dort, wo sie sich heute befindet, einmal der Pazifik war, ist sie unglaubich reich an Salz und macht es deswegen jedem Lebewesen schwer. Das Valle de la Muerte hat auch daher seinen Namen. Und im Valle de la Luna meint man tatsächlich, man befindet sich auf dem Mond. Hab noch nie eine Landschaft wie dort gesehen. Karg und gleichzeitig total interessant, durch die vielen Gebilde, die Wind und Sand mit der Zeit geformt haben, das “Amphietheater” zum Beipiel – sieht wirklich so aus!
Mit jedem Meter, die die Sonne weiter untergegangen ist, haben sich dir Farben im Tal geändert. Von gelb über orange, zu rosa über lila und dann alles zusammen, unglaublich! Das Salz, das zu großen Teilen im Wüstensand enthalten ist, reflektiert das Sonnenlicht dort auf ganz besondere Art und Weise.
Als die Sonne dann weg war, ist es schlagartig kalt geworden, wie man es sich vorstellt in der Wüste. Sind also zurück ins Auto und los in Richtung San Pedro de Atacama. Unsere erste Tour war schonmal super!
Die Guides haben uns dann für den Abend zu sich eingeladen, weil einer von den beiden bald nach Barcelona auswandert.
Später sind wir noch ne Pizza essen gegangen und dann ins Bettchen, viele Eindrücke machen müde!
Am nächsten Tag sind wir durch San Pedro gestreunt. Die Stadt gilt auch als DER Ort in Chile um Kunsthandwerke und Souveniers zu kaufen, und das haben wir dann auch gemacht!
Haben zufällig Richard, den anderen Guide getroffen, als wir auf der Nahrungssuche waren, und er hat uns prompt in ein Einheimischenlokal mit niedrigeren Preisen geführt – so gefällt mir das Smile !
Am Nachmittag gings dann mit Hector, unserem 60+-jährigen Guide und einer super netten Gruppe aus Amis, Chilenen, einem Franzosen und uns zu den Salzlagunen Cejar.
Jenny und ich saßen auf unserer Fahrt durch die Wüste vorne neben Hector und haben ihn Löcher in den Bauch gefragt – also z.B. wo San Pedro sein Wasser herbekommt (aus den Bergen), wie oft es regnet (nie), ob man in der Nähe Landwirtschaft betreiben kann (in den Oasen), wie eine Oase entsteht (durch unterirdisches Wasser, dort kommt es aus den Bergen) usw. usw.
Ja und dann sind wir angekommen. Mitten in der Wüste, der trockensten der Erde um es euch nochmal vor Augen zu führen, tut sich auf einmal eine türkis- bis azurblaue Lagune auf.
Unglaublich! Waren sogar mehrere!
Die Lagunen dort enthalten mehr als 7mal so viel Salz wie das Meer, mussten also trotz Eiseskälte hinein, um uns mal so richtig treiben so lassen!
Lang haben wirs nicht ausgehalten, war echt schweinekalt und hat ziemlich gebrannt, aber schon allein wegen den Fotos war es der Spaß wert!
Danach sind wir weiter zu zwei Süßwasserlagunen, die nebeneinander in ca. 3m Tiefe in der Wüste zu finden sind. Haben daher auch ihren Namen “Ojos” (Augen).
Geschwommen sind wir dort nimmer, ist schon wieder frich geworden weil sich die Sonne auf den Weg zur anderen Seite der Erde gemacht hat (oder besser die Erde sich…egal).
Haben zum krönenden Abschluss an einer dritten Lagune gehalten, um den Sonnenuntergang zu bewundern und Pisco Sour zu schlürfen. Pisco, ein Schnaps aus Traubenmost, ist hier neben Wein das Nationalgetränk. Ziemlich stark, aber mit Zitrone und Zucker oder diversen Säften gut zu genießen.
Das farbspektakel war ähnlich wie am Vorabend, nur kam noch dazu, dass die Berge auf der einem Seite des Sees ihren Schatten auf die Kordilleren auf der anderen Seite des Sees geworfen haben, hammer!
Auf dem dunklen Heimweg durch die Wüste hab ich nur aus dem Autofenster gestarrt, der Sternenhimmel war atemberaubend! Diese region der Erde gehört zu den besten, um Sterne zu beobachten, gibt kaum Lichtverschmutzung, die Atmosphere ist trocken, Südhalbkugel.
Und so hat sich das Halsverrenken gelohnt, denn neben den Sternen hab ich die weltgrößte Sternschnuppe gesehen! Sowas von unglaublich, dachte erst es wär ein Meteorit (ist´s ja quasi auch…), oder ein Feuerwerk, oder eine Rakete! Sowas von hell und mit ewig langem Schweif! War wie gelähmt vor Bewunderung!
Der Abend ist dann eher unspektakulär verlaufen, hatten für den nächsten Tag eine Tour zu den Geysiren Tatio gebucht und mussten dafür um 3:30Uhr aufstehen…
So war die Nacht früher als mir lieb war zu Ende und wir sind in den Bus gestiegen, um 2 Std. zur bolivianischen Grenze zu fahren.
San Pedro de Atacama liegt auf 2400m, die Geysire auf 4300m – haben also 2000 Höhenmeter innerhalb von 2Std. im Auto sitzend erlebt, gefährlich…
Bei den Geysiren angekommen, mussten wir schmerzhaft erfahren, dass alle recht gehalten hatten: es war wirklich schweinekalt, minus 15 Grad oder so!
Aber wenn die Sonne rauskommt sieht man die Geysire nicht mehr, da sie ja aus Wasserdampf gestehen, der aus der Erde schießt. Man sieht ja auch seinen Atem nicht im Sommer.
War ganz interessant, allerdings war nur ein einziger Geysir so wie ich es mir vorgestellt hatte: 30m hoch und mit einer riesen Wucht. Und dem durften wir uns nicht nähern, weil ein Deutscher mal reingefallen und gestorben ist.
Nach 30 Minuten haben wir uns am Bus zum frühstücken versammelt, und dann geschah es…
Jenny meinte, sie fühlte sich nicht so wohl, ich hab den Guide geholt und dann ging alles ganz schnell: er und noch ein Typ haben sie unter den Armen gepackt und dann ist meine Süße in Ohnmacht gefallen – Sauerstoffmangel!
War krank vor Sorge, für 3 Sekunden, dann ist sie nämlich wieder aufgewacht, mit Pupillen so groß wie Walnüsse.
Den Rest der Tour gings meiner Süßen net so gut und ich konnte nix für sie tun…Sad
Haben dann noch Halt bei einem Schlammbrunnen gemacht, den ich mir gleich á la Heilerde ins Gesicht geschmiert habe. Später sind wir auf 4600m (arme Jenny!) zu heißen Thermalquellen. Bin nicht rein, hab nur meine Füße reingehängt, war echt heiß!
Zum Abschluss sind wir in ein Wüstenkaff gefahren – ein 20 Seelen Dorf. Haben sehen können wie Menschen einst in der Wüste (über)lebten und es noch immer schaffen.
Auf der Fahrt haben wir ganz viele wilde Lamas, Alpacas und Lama-ähnliche Tiere gesehen, deren Name ich jetzt vergessen habe. Im Wüstenkaff Machuco hab ich dann Lamafleisch probiert, voll lecker, und fettfrei!
Haben auf der Rückfahrt dann noch die beiden anderen typischen Tiere gesehen: einen Hasen mit langem Schwanz und eine dicke runde Ente. Flamingos waren auch in der Ferne auszumachen.
Zurück in San Pedro haben wir uns ausgeruht, ich mit Bikini in Hof des Hostels in der Wüstensonne. Dank diesen 3 Std. komm ich jetzt doch nicht ganz blass zurück aus Südamerika!
Am Abend wollten wir eigentlich feiern gehen, da der 18.09. der Nationalfeier- und Unabhängigkeitstag Chiles ist und sowas wie ne Kärwa aufgebaut war.
Waren von den Eindrücken und Erlebnissen des Tages aber noch so kapputt, dass wir nur Sterne geschaut und Sternschnuppen gezählt haben…
Ja und am Samstag hatten wir eigentlich ne Reittour durch die Wüste gebucht – aufgrund der Feiern waren aber alle Pferde ausgebucht, für ein Rodeo oder so, und deswegen konnten wir die Tour nicht antreten.
Waren auch nicht so traurig drüber, reiten können wir auch woanders.
Sind dann stattdessen durch San Pedro gschlendert, in Cafés gegangen, haben gegessen etc.
Und um 19Uhr hieß es Abschied nehmen von San Pedro.
Jenny und ich haben definitiv die Anziehungskraft des Orts gespührt, den angeblich eine ganz bestimmte Energie und Magie umgibt – ähnlich wie auf Galapagos…
Aber wenn´s am schönsten ist, muss man weiterziehen, und das haben wir getan.
24 Stunden und einen tauben Popo später sind wir am Sonntag Abend in Santiago angekommen.
Haben den Abend über nur gechillt, den letzten Tag zum Packen gebraucht und schneller als es mir lieb war saß ich im Flieger nach Europa…
Ja, und nun nach ca. einer Woche zurück daheim, kann cih sagen, dass ich angekommen bin.
Nach so einer langen Zeit braucht man ein bißchen länger, um mit dem Alltag umgehen zu können, denn das einzige, was sich nach so einer Reise verändert hat, ist man selber…
In diesem Sinne, ich danke allen Lesern für ihr Interesse!
Bis zum nächsten Mal,
eure Lisa
Chile: